Schwarzenfelder Schreckensereignis (mit Audio-Datei)

Schwarzenfelder Schreckensereignis (mit Audio-Datei)

Ein dunkles Kapitel Schwarzenfelder Geschichte wurde kürzlich im Rahmen eines Schulprojektes der achten Jahrgangsstufen der Mittelschule aufgeschlagen. Die letzten Wochen des 2. Weltkrieges, sie haben im Heimatort für Angst und Schrecken gesorgt. Für Lehrerin Andrea Bäumler eine Verpflichtung und gleichzeitig wichtiger Weg zur Aufarbeitung von Heimatgeschichte.

Die NS-Zeit, das damit verbundene Kriegsgeschehen in Europa und darüber hinaus, stellt der Lehrplan als Anforderung für diese Klasse. Naheliegend, dass das Ereignis vom 19. April am Schwarzenfelder Bahnhof mit Beschuss des Häftlingszuges aus Flossenbürg in den Unterrichtsstoff aufgenommen wurde. Kontakt aufgenommen hatte Andrea Bäumler zu Thomas Muggenthaler vom Bayerischen Rundfunk und ihn kurzerhand zu einem Tag mit „Schwarzenfelder Geschichtsunterricht“ eingeladen. Seit Jahrzehnten ist es dem bekannten Journalisten ein Anliegen, das Martyrium und die Leiden, um Opfer nationalsozialistischen Handelns unvergessen zu machen und damit nachfolgenden Generationen in Fernsehaufzeichnungen, Hörfunkberichten und Vorträgen zu sagen: „Schaut hin und vergesst das nicht“

Ein Unterrichtstag einmal ganz anders, so stellte sich für Schüler und Schulleitung eine Einführung und ein sich anschließender Weg zu den Plätzen trauriger Vorkommnisse im Ort dar. „Ich bin gerne zu euch nach Schwarzenfeld gekommen und es freut mich, dass dieses dunkle Kapitel eures Heimatortes Eingang in den Unterricht gefunden hat“ stellt sich der gebürtige Chamer vor.

Zu Fuß zum Bahnhof hatten sich die dreißig Schülerinnen und Schüler zunächst aufgemacht, um dort von Marktrat Manfred Bäumler das schreckliche Ereignis eindrucksvoll geschildert zu bekommen. Anzumerken war dabei den Heranwachsenden Schrecken und Trauer angesichts von über 140 getöteten Häftlingen an diesem Ort.  „Zumindest eine Gedenktafel hätte dieser schreckliche Schauplatz verdient“ meint Muggenthaler und richtet dabei seinen Blick in Richtung Bahnhofsgebäude. Der weitere Fußweg führt die Gruppe zum früheren Gelände des „Gänsangers“, also in den Bereich des Bauhofes nahe der Naab. Hier wurden die Leichen teils notdürftig verscharrt und mussten auf Geheiß der amerikanischen Besatzer innerhalb 48 Stunden ausgegraben und ordentlich auf dem Friedhof beigesetzt werden.

Auf dem Friedhof, nahe des Haupteinganges befindet sich ein Gedenkstein dazu und verweist auf die spätere Exhumierung mit endgültiger Ruhestätte in Flossenbürg. Auch dies sollte ein Zielpunkt der Schüler sein, bevor der Anstieg zum Kloster auf dem Miesberg als nächste Etappe folgte. Pater Alban Siegling beleuchtete das Klosterleben zu Zeiten von Provinzial Viktor Koch, dem aufgrund seines Einsatzes für den Markt und seiner Bewohner die Ehrenbürgerwürde verliehen wurde.

„Heute habe auch ich noch etwas dazugelernt“ bekennt Thomas Muggenthaler und war angesichts der regen Mitarbeit und des Interesses der jungen Leute angetan.

Mit einer Fahrt zur KZ-Gedenkstätte Flossenbürg einige Tage darauf, wurde dieses Unterrichtsthema abgeschlossen.  Die Kosten hierfür wurden dankenswerterweise durch Kooperation mit dem Kreisjugendamt von diesem getragen.

 

Manfred Bäumler (Selbständiger Gutachter und Berichterstatter „Der neue Tag“)

 

Hier noch ein wirklich absolut hörenswerter Audio-Beitrag zum Thema (Dauer: 4 Minuten):

 

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